Kinder auffangen bei psychischen Erkrankungen in der Familie

CHIMPS-NET - das Netzwerk mit passgenauen Hilfsangeboten für Töchter und Söhne

Datum: 23.03.2022 / Ressort: Versorgung

In Deutschland leben drei bis vier Millionen Kinder mit einem psychisch- oder suchterkrankten Elternteil und endlich ist dieses sensible Thema auch auf der politischen Bühne angekommen. Im Koalitionsvertrag erklären die Ampel-Parteien: „Wir unterstützen die Kinder von psychisch, sucht- oder chronisch kranken Eltern“. Das Verbundprojekt CHIMPS-NET hat dieses Problem erkannt und setzt mit neuen Versorgungselementen bei betroffenen Familien an.

Die Großbuchstaben kürzen „Children of mentally ill parents network“ ab. Gegründet hat den Verbund Silke Wiegand-Grefe, Professorin an der MSH Medical School Hamburg und Forschungsgruppenleiterin für Familienforschung an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, gemeinsam mit vielen Partnern. Über drei Jahre sollen in dem Innovationsfondsprojekt bis zu 1.600 Teilnehmende davon profitieren. Konkret heißt das, dass sich die psychische Gesundheit und Lebensqualität der Kinder verbessern soll, indem die Familienbeziehungen und die soziale Unterstützung der Familie gestärkt werden.

Bundesweit machen 20 Zentren mit – in Baden-Württemberg sind es die Unikliniken Tübingen, Freiburg und Ulm-Günzburg sowie das Städtische Klinikum Karlsruhe. Sie führen die Erstgespräche und darauf basiert das Behandlungsangebot. Gesunde Kinder und deren Familien sollen eine kurze Präventionsmaßnahme unter Beteiligung einer Sozialarbeiterin oder -arbeiter erhalten. Im Grenzbereich auffälligen Kindern und Jugendlichen wird eine Mischform aus Prävention und Therapie als Multifamilientherapie in Gruppen angeboten. Kinder, die Symptome zeigen, werden mit ihrer Familie in einer familienorientierten Therapie bei einer Psychotherapeutin oder -therapeuten behandelt. Heranwachsende, die nur eingeschränkt Zugang zu den Versorgungsangeboten haben, da sie beispielsweise in ländlichen Regionen wohnen, wird eine Online-Intervention mit therapeutischer Begleitung angeboten. Das Programm richtet sich an Familien mit mindestens einem erkrankten Elternteil und mindestens einem Kind von drei bis 18 Jahren.

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht im #AgendaGesundheit Magazin. Den Link zur aktuellen Ausgabe finden Sie im Anhang dieser Seite.