Krebsberatung

Es droht eine Finanzierungslücke

Datum: 16.12.2020 / Kategorie:

Den nachfolgenden Beitrag finden Sie neben vielen anderen interessanten Themen auch in der aktuellen Ausgabe unseres politischen Magazins #AgendaGesundheit Magazin.

In der Coronakrise erleben die Krebsberatungsstellen in Baden-Württemberg einen großen Zulauf. Verunsicherte Krebspatienten suchen verstärkt Rat und Unterstützung. Trotzdem müssen die Beratungsstellen um ihre Existenz fürchten.

Rund 50.000 Menschen in Baden-Württemberg erkranken jährlich erstmalig an Krebs. Das hat nicht nur körperliche Auswirkungen, sondern ist für die Betroffenen und deren Angehörige auch eine große psychische Belastung. Die Krebsberatungsstellen leisten hier wertvolle Arbeit für die Krebspatientinnen und -patienten und deren Familien. Doch die Unsicherheit wächst, wie es mit den Beratungsstellen weitergeht. „Es kann nicht sein, dass die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten während der Coronapandemie vernachlässigt wird“, sagt Ulrika Gebhardt, Geschäftsführerin des Krebsverbandes Baden-Württemberg.

Gerade in diesen schweren Zeiten hätten Betroffene besonders viele Fragen und ein Bedürfnis nach Unterstützung, denn Krebspatienten gehören aufgrund des geschwächten Immunsystems zur Risikogruppe. Die Teams der Krebsberatungsstellen tun viel, um den Betroffenen zu helfen. Die Unterstützung erstreckt sich dabei von einer psychosozialen Beratung über die Vermittlung von Informationen bis hin zur Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen. „Die betroffenen Menschen sind in vielen Fällen von Sorgen und Ängsten geplagt und brauchen manchmal einfach ein offenes Ohr“, bringt es Ulrika Gebhardt auf den Punkt. Dass jetzt die Finanzierung der Krebsberatungsstellen auf der Kippe steht, versteht sie nicht.

Zwar ist im vergangenen Jahr nach einer jahrelangen Übergangslösung endlich eine Regelfinanzierung für die Krebsberatungsstellen auf den Weg gebracht worden. Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer sollen danach 40 Prozent der Kosten tragen. Andere Reha-Träger wie die Deutsche Rentenversicherung und die Agentur für Arbeit sollen weitere  40 Prozent der Finanzierung stemmen.  15 Prozent sollen die jeweiligen Bundesländer und fünf Prozent die Krebsberatungsstellen selbst tragen. Vonseiten der Krankenkassen ist der Plan bereits zum  1. Januar umgesetzt worden. Allerdings ist bis jetzt nicht geklärt, ob sich die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Rentenversicherung wirklich an der Finanzierung beteiligen werden. Ulrika Gebhardt: „Die Träger der Krebsberatungsstellen brauchen dringend verbindliche Zusagen, dass die Mittel fließen werden. Nur so kann ein regulärer Betrieb der Krebsberatungsstellen und eine qualitativ hochwertige psychoonkologische Versorgung aufrechterhalten werden.“  srö

LINK-TIPP
krebsverband-baden-wuerttemberg.de