Mehr Orientierung an gelungener Krankenhausplanung

Nicht jedes Krankenhaus hat die Qualität, die möglich ist und benötigt wird

Datum: 19.03.2018 / Ressort: Krankenhaus

Bei der Vorstellung des „Krankenhaus Report 2018“ der AOK (am 19. März 2018) wurde deutlich: Bei der Krankenhausplanung in Deutschland ist es schon heute möglich die Klinikstrukturen qualitätsorientiert zu zentralisieren und zu spezialisieren. Der Vorstands-Chef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, fordert mehr Orientierung an bisher gut gelungener Krankenhausplanung im Land:

„In Baden-Württemberg hat nicht jedes Krankenhaus die Qualität, die möglich ist und benötigt wird. Die Schlaganfall-Konzeption Baden-Württemberg, die wir gemeinsam mit dem Sozialministerium entwickelt haben, zeigt, dass über die Krankenhausplanung eine qualitätsgesteuerte Strukturierung stationärer Versorgung erfolgreich umgesetzt werden kann. Den gleichen Mut wünscht sich die AOK Baden-Württemberg auch bei anderen schwerwiegenden und schwierigen Eingriffen aber auch in der Frühchen-Versorgung.

Beispiel Frühchen-Versorgung: Wissenschaftliche Studien belegen in mittlerweile erdrückender Zahl und Übereinstimmung, dass die Säuglingssterblichkeit in Perinatalzentren Level 1, also Krankenhäusern, die auf die Versorgung der besonders kleinen Frühchen unter 1250g besonders spezialisiert sind, deutlich geringer ist als in anderen. Die Mortalität von sehr unreifen Frühgeborenen in Krankenhäusern mit geringer Spezialisierung und niedriger Fallzahl beträgt bis zu 272 % der Mortalität in großen Perinatalzentren mit hoher Spezialisierung. In Baden-Württemberg versorgen 20 Perinatalzentren die „kleinsten“ der Frühchen (unter 1250g Geburtsgewicht). Aber nur neun Perinatalzentren versorgen pro Jahr mehr als 50 dieser kleinen Frühchen. Die vorgeschriebene Mindestmenge liegt bei lediglich 14 solcher Geburten pro Jahr.

Auch das Beispiel Darmkrebs zeigt, dass immer noch zu viele Menschen – nämlich je nach Art des Eingriffs zwischen 21 Prozent und 65 Prozent – ein verkürztes Leben haben, weil Kliniken ‚Gelegenheitschirurgie‘ betreiben. Aktuelle Zahlen belegen: Setzt man strikt auf Qualität, würden nur noch rund 50 Krankenhäuser in Baden-Württemberg Darmkrebsoperationen durchführen. Heute sind es noch doppelt so viele.“