Mit Nachdruck

Die WHO spricht von einer Diabetes­Pandemie. Mit einer nationalen Strategie muss die Regierung mehr gegen den hohen Zuckerkonsum unternehmen.

Datum: 10.03.2021 / Ressort: Versorgung

Diese Zahlen tun weh: Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes Typ 2. Und jeden Tag kommen 1.500 Diagnosen hinzu. So steht es im aktuellen Gesundheitsbericht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), in dem die Experten davon ausgehen, dass es 2040 zwölf Millionen Erkrankte sein werden.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland mit diesen Zahlen auf einem gar nicht rühmlichen zweiten Platz. „Für dieses massive Public-Health-Problem ist vor allem ein viel zu hoher Zuckerkonsum in der Bevölkerung verantwortlich“, sagt Manuela Bombana, leitende Wissenschaftlerin bei der AOK Baden-Württemberg, die auch am Uniklinikum Heidelberg dazu forscht. „Wir brauchen dringend Maßnahmen, die Zuckerzufuhr zu reduzieren.“ Mit diesem Ziel hat der Bundestag im Sommer Vorgaben für eine Nationale Diabetes-Strategie verabschiedet. Die Strategie ist kein Gesetzesentwurf. Aber mit der Annahme des Antrags fordert der Bundestag die Bundesregierung auf, Prävention und Versorgung von Diabetes mellitus und Adipositas deutlich voranzutreiben.

Die Diabetes-Strategie ist Teil des Koalitionsvertrags, doch wird seitdem um die Inhalte gerungen, vor allem um die Verbindlichkeit von Vorgaben für die Industrie. Einig ist man sich, dass die Einschränkung des Süßkonsums ein wichtiges Ziel ist. Mit der Getränkebranche ist eine freiwillige Zuckerreduktion um 15 Prozent in den Limonaden bis Ende 2025 vereinbart. Der Bundestag möchte, dass die Regierung 50 Prozent weniger erwirkt.

Die AOK und die DDG gehen noch weiter und fordern eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke und ein gesetzliches Werbeverbot für überzuckerte und hochkalorische Kinderlebensmittel. Aber nicht nur die Zuckerreduktion ist wichtig. Die Regierung wird auch aufgefordert, Bereiche wie Ernährung, Sport, Bildung, Forschung, Arbeit oder Umwelt in die Strategie einzubinden oder eine multimodale Versorgung von Menschen mit Adipositas in der vertragsärztlichen Versorgung zu ermöglichen.

Dieser Text ist nachzulesen im Agenda Gesundheit Magazin Ausgabe 01/2021.