Neue Arzneimittel kommen immer teurer

Ausgaben für hochpreisige Medikamente haben sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt

Datum: 20.09.2018 / Ressort: Arzneimittel

Die Ausgaben für Arzneimittel steigen GKV-weit immer weiter an. Im Jahr 2017 lagen sie um 1,4 Milliarden Euro über denen des Vorjahres, eine Steigerung von fast vier Prozent. Die Hauptursache dieses Kostenanstiegs liegt in einem Fehlkonstrukt der Preisbildung für den patentgeschützten Markt begründet: Neue patentgeschützte Medikamente sind dabei fast immer auch teure Medikamente.


Als „teuer“ gelten in der AOK Baden-Württemberg Arzneimittel, bei denen der Verkaufspreis der einzelnen Packung oberhalb der Richtgröße von 500 Euro liegt. Alleine von 2016 auf 2017 sind die Ausgaben für solche Medikamente bei der AOK Baden-Württemberg um 8,3 Prozent angestiegen. In den letzten sechs Jahren haben sich die Ausgaben in diesem Marktsegment sogar mehr als verdoppelt. Wurden im Jahr 2011 rund 3,7 Millionen Euro für Arzneimittel mit hohem Packungspreis ausgegeben, so lagen die Ausgaben im Jahr 2017 bereits bei rund 7,5 Millionen Euro.


Was die Kostenentwicklung in die Höhe treibt, ist das geltende Preisbildungsverfahren: In den ersten zwölf Monaten nach Markteintritt eines neuen Arzneimittels wird jedes neu zugelassene Produkt von der GKV in vollem Umfang erstattet. Der Phantasie des Herstellers sind für die Höhe des Preises dabei keine Grenzen gesetzt. Erst nach Ablauf eines Jahres gibt der Gesetzgeber der GKV die Möglichkeit, in Abhängigkeit des nachgewiesenen Zusatznutzens zur bisherigen Standardtherapie einen für die Zukunft geltenden Arzneimittelpreis festzulegen. Lässt sich ein Zusatznutzen nicht nachweisen, erstatten die gesetzlichen Krankenkassen nur die Kosten der bisherigen Standardtherapie. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Solidargemeinschaft der Gesetzlichen Krankenversicherung aber die vom Hersteller festgelegten Preise bereits zwölf Monate lang bezahlt.


Im Interesse ihrer Versicherten fordert die AOK Baden-Württemberg seit langem, dass nutzenorientierte Arzneimittelpreise rückwirkend ab Markteintritt gelten müssen.


Der zum 20. September 2018 erschienene Arzneiverordnungs-Report 2018 behandelt das Thema hochpreisiger Arzneimittel ausführlich:

Arzneiverordnungs-Report 2018