Notfallmedizin: Mehr Kompetenzen für Retter

Notfallsanitäter dürfen künftig bestimmte lebenserhaltende Maßnahmen vornehmen, bevor ein Arzt am Unfallort eingetroffen ist. Dies ist mit dem MTA-Reformgesetz beschlossen worden.

Datum: 10.06.2021 / Ressort: Versorgung

Mehr als sieben Jahre ist es her, dass aus Rettungsassistenten per Gesetz Notfallsanitäter wurden. Am Berufsbild hatte sich nahezu nichts geändert – bis jetzt. Bundesrat und Bundestag haben das „Gesetz zur Reform der technischen Assistenzberufe in der Medizin und zur Änderung weiterer Gesetze“, kurz MTA-Reformgesetz, beschlossen.

Das MTA-Reformgesetz sieht eine Neuerung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter vor. Sie dürfen künftig vor dem Eintreffen des Notarztes, der stets in einem eigenen Fahrzeug zur Unfallstelle kommt, eigenverantwortlich bestimmte lebenserhaltende Eingriffe an Patienten vornehmen. Bislang bewegten sich Notfallsanitäter in solchen Situationen in einer rechtlichen Grauzone: Einerseits durften sie keine heilkundlichen Maßnahmen ergreifen, weil das Ärztinnen und Ärzten vorbehalten war – andererseits liefen sie Gefahr, wegen unterlassener Hilfeleistung belangt zu werden. Bei einem möglichen Eingriff konnten sich Notfallsanitäter bisher allenfalls auf den „rechtfertigenden Notstand“ des Strafgesetzbuchs berufen. Diese Lücke ist nun geschlossen. Erlaubt sind laut Gesetz auch invasive Maßnahmen, nicht jedoch die Gabe von Arzneimitteln wie Opiaten gegen Schmerzen. Dafür müsste das Betäubungsmittelgesetz geändert werden. Die Opiatgabe lernen Notfallsanitäter in der Ausbildung, in der Praxis allerdings dürfen sie diese nicht anwenden.

Das Gesetz im Überblick

Ziel des MTA-Gesetzes ist es, die medizinischen Assistenzberufe attraktiver zu machen: Das Schulgeld soll wegfallen und die Vergütung verbessert werden. Die praktischen Ausbildungszeiten werden erweitert, Mindestqualifikationen von Lehrkräften und Schulleitern bundeseinheitlich geregelt. Die vier Berufe in der Laboratoriumsanalytik tragen künftig die Bezeichnung „Medizinische Technologin“ und „Medizinischer Technologe“. Das Gesetz regelt zudem die Sozialversicherungsfreiheit der Vergütung für Ärzte, die sich an Corona-Schutzimpfungen beteiligen. Der Passus zu den Notfallsanitätern trat mit Verkündigung im Bundesgesetzblatt bereits in Kraft, andere Passagen werden zum 1. Januar 2023 gültig.

 

Dieser Beitrag stammt aus dem #AgendaGesundheit Magazin. Die aktuelle Ausgabe findet sich im Anhang dieser Seite.