Pflegeheime deutlich besser als ihr Ruf

Bis 2030 steigt die Anzahl der Menschen, die Pflege benötigten, um ein Drittel an

Datum: 20.11.2017 / Ressort: Studien

„Zu lange und zu Unrecht wurde ‚ambulant vor stationär‘ postuliert und die Pflege im Heim damit diskreditiert“, sagt Britta March, verantwortlich für den Bereich Pflege bei der AOK Baden-Württemberg, vor dem Hintergrund der jüngsten Medienberichterstattung über die schlechten Zustände in deutschen Pflegeheimen. „Damit muss Schluss sein. Erstens, weil das Leben im Pflegeheim hierzulande deutlich besser ist als sein Ruf. Zweitens, weil die Gesellschaft des langen Lebens ambulant und stationär braucht.“ Denn bis 2030 werde die Zahl der Menschen, die Pflege benötigten, um ein Drittel steigen, so March weiter.

Nach aktuellem Kenntnisstand könnte die Anzahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg allein aus demografischen Gründen von 298.769 im Jahr 2013 um 103.000 zunehmen und im Jahr 2030 auf rund 402.000 steigen (Quelle: Statistisches Landesamt). Dies wäre ein Anstieg um 35 Prozent. Bis zum Jahr 2050 könnte die Anzahl pflegebedürftiger Menschen sogar um 93 Prozent zunehmen und damit um 279.000 Personen auf dann rund 578.000 Pflegebedürftige steigen.

„In der Gesellschaft des langen Lebens können und wollen die Menschen alt werden. Das bedeutet für viele Menschen Beeinträchtigungen, Hilfe- und Pflegebedarf im Alltag. Wo aber ein Mensch wohnt und Unterstützung und Pflege erhält, soll jeder für sich entscheiden können“, sagt March. Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass Lebensqualität auch im Pflegeheim möglich ist. „Es ist dringend notwendig, dass die Menschen die Vorurteile gegen die Pflege im Heim abbauen“, fordert March und ergänzt, dass schlechter Pflege immer konsequent begegnet werden müsse. „Heime generell an den Pranger zu stellen ist unfair, undifferenziert und falsch“, so March.

Bestätigt wird die AOK-Expertin durch eine aktuelle Forsa-Studie, die von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegeben wurde. Die Befragten, die durch einen zu pflegenden Angehörigen eigene Erfahrungen mit Pflegeheimen gemacht haben, bewerten die Situation der Bewohnerinnen und Bewohner überwiegend positiv. Zwei Drittel von ihnen (67 Prozent) empfinden, dass sie sich dort wohlfühlen können. Ebenso viele (63 Prozent) sind überzeugt, dass man sich liebevoll um sie kümmert. Mehr als ein Drittel dieser Befragten (34 Prozent) würde das Wohnen im Alter im Pflegeheim der Pflege in den eigenen vier Wänden sogar vorziehen.