Rauchfrei ins neue Jahr starten

Gewohnheiten aufgeben erfordert starken Willen

Datum: 19.12.2018 / Kategorie:

Stuttgart

Zu den beliebtesten Neujahrsvorsätzen gehört für viele Raucher alle Jahre wieder, das Rauchen aufzuhören. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Baden-Württemberg bezeichnen sich immerhin 15 Prozent der Baden-Württemberger als „regelmäßige Raucher“ und weitere 7 Prozent als „Gelegenheitsraucher“. Unter den befragten Nichtrauchern gaben dabei 30 Prozent an, früher geraucht zu haben. Was so manchem scheinbar umgehend gelingt, ist für den anderen eine enorme Herausforderung. Wir haben mit Thorsten Kapitzki-Nagler, Suchtexperte bei der AOK-Baden-Württemberg, gesprochen:

„Wie setzte ich denn meinen guten Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören, in die Tat um? Am 1.1. einfach nicht rauchen?“

Kapitzki-Nagler: „Mark Twain soll gesagt haben ‚Rauchen aufhören ist kinderleicht. Ich habe es schon 100 Mal geschafft‘ und er hatte Recht. Die meisten Raucher brauchen wirklich mehrere Anläufe und Versuche, und bevor Sie nach der besten Strategie fragen: Es gibt da keinen Königsweg! Jeder muss für sich selbst einen Weg finden. Retrospektiv sagen viele Ex-Raucher, dass für sie ausschlaggebend der unbedingte Wille war, aufzuhören. Und genau der zählt.“

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg?“

Kapitzki-Nagler: „Im Prinzip ja. Allerdings erschweren körperliche wie psychische Abhängigkeit das Ganze. Menschen handeln ja vernünftig, in ihrer eigenen inneren Logik. Das heißt, sie scheinen für sich einen enormen Vorteil beim Rauchen zu empfinden, der die ja nun jedem bekannten Nachteile - seien es die gesundheitlichen oder auch die finanziellen - schlägt. Rauchen bietet dem Raucher subjektiv beispielsweise Entspannung, Stressabbau, gesellschaftliche Vorzüge, Genuss, weniger Appetit.... Das heißt, Betroffene müssen sich ihrer Motive klarwerden, an ihnen arbeiten und für sich selbst eine Alternative schaffen und dies auch wirklich wollen. Für den einen geht der Weg über Yoga, dem nächsten hilft es, gewohnte Muster zu durchbrechen und z. B. statt Kaffee trinken etwas anderes zu tun, um den Automatismus Kaffee-Kippe zu umgehen. Manchen helfen auch alternative Heilmethoden wie Akkupunktur oder Hypnose, um ihren Willen mit dem Rauchen aufzuhören, zu verstetigen.“

„Gibt es körperliche Abhängigkeit?“

Kapitzki-Nagler: „Grundsätzlich ja. Das kommt natürlich auch auf die Konsummenge und das Konsummuster an – aber starke Raucher, und dazu zählt man ab ca. 15 Zigaretten täglich, merken das durchaus auch körperlich. Jedes Suchtmittel bedient das Belohnungssystem im Gehirn und greift in die Stoffwechselvorgänge ein. Um körperliche Entzugserscheinungen zu mildern, gibt es pharmakologische aber auch psychologische Unterstützungsstrategien. Je nach Ausprägung der körperlichen Abhängigkeit und dem Vorhandensein anderer Risikofaktoren kann es hilfreich sein, sich den Rat seines Hausarztes zu holen.“

„Gibt es weitere Tipps und Tricks?

Kapitzki-Nagler: „Gut sind markante Zeitpunkte, die dabei helfen, alte Muster und Gewohnheiten zu durchbrechen. So zum Beispiel ein Umzug oder auch eine geplante Schwangerschaft oder eine Reise. Aber natürlich auch der Jahreswechsel, da sind Sie im Zweifel nicht allein mit ihrem Vorhaben – und wenn die Freundin oder ein Familienmitglied gleich mitmacht, umso besser.“

„Wann hat man es denn geschafft?“

Kapitzki-Nagler: „Frühestens nach 10 bis 13 Wochen kann man sagen, dass die Betroffenen auf einem guten Weg sind und ihr Verhalten dauerhaft ändern und die neuen Gewohnheiten beibehalten. Vorher ist man höchstens auf dem Weg zum Nichtraucher.“

 

Quelle: Die repräsentative Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Befragt wurden zwischen dem 29. Juni und dem 12. Juli 2018 insgesamt 1.010 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Personen ab 18 Jahren in Baden-Württemberg.