Rückenschmerzen im Südwesten sind weit verbreitet

Mehr als jeder sechste Baden-Württemberger leidet unter chronischen Rückenschmerzen

Datum: 17.12.2019 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart

Mehr als jeder sechste AOK-Versicherte in Baden-Württemberg ist wegen chronischer, unspezifischer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung. Laut aktuellem Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) war mehr als ein Viertel (25,7 Prozent) von diesen 705.055 Rückenschmerzpatienten deswegen in den letzten fünf Jahren dauerhaft beim Arzt, Frauen häufiger als Männer. „Die Zahlen zeigen, dass der Rückenschmerz zu Recht als Volkskrankheit bezeichnet wird. Neben der Behandlung durch Arzt und Physiotherapie können Präventionsmaßnahmen gegen Bewegungsmangel und einseitige Belastungen, aber auch gegen Übergewicht helfen“, so Jutta Ommer-Hohl, Fachbereichsleiterin Gesundheitsförderung bei der AOK Baden-Württemberg.

 

Chronische, unspezifische Rückenschmerzen betreffen vor allem Frauen: 2017 waren knapp 415.000 der 705.055 AOK-Patienten im Südwesten weiblich. Insgesamt leiden somit rund 20 Prozent aller bei der AOK Baden-Württemberg versicherten Frauen und 15 Prozent der Männer unter chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen. Die Rate steigt mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an und ist in den letzten Jahren vor dem Renteneintritt bei beiden Geschlechtern am höchsten. Die Behandlung zieht sich teilweise über mehrere Jahre hinweg: Von den Rückenschmerzpatienten des Jahres 2017 waren 65,1 Prozent auch 2016 in Behandlung und 25,7 Prozent dauerhaft seit 2013.

 

Während Schmerzmittel beiden Geschlechtern relativ gleich verordnet werden (Frauen 76,9 Prozent, Männer 75,5 Prozent), zeigen sich bei der Inanspruchnahme von physiotherapeutischen Angeboten klare Geschlechterunterschiede: Bei den Frauen nutzt rund ein Drittel der Patientinnen (34,8 Prozent) eine Physiotherapie, bei den Männern nur ein Viertel (25,3 Prozent). Außerdem bekommen Frauen die meisten Verordnungen zwischen 50 und 54 Jahren (37,9 Prozent). Bei den Männern ist der höchste Wert erst bei den 75- bis 79-Jährigen erreicht (27,9 Prozent). „Auch wenn Frauen und Männer Physiotherapie sehr unterschiedlich nutzen, sind chronische, unspezifische Rückenschmerzen bei beiden Geschlechtern der häufigste Grund für Krankengymnastik und Co.“, so Ommer-Hohl.

 

Mit dem AOK-RückenKonzept hilft die AOK Baden-Württemberg ihren Versicherten, Rückenprobleme in den Griff zu bekommen. Das AOK-RückenKonzept ist ein wissenschaftlich evaluiertes Rückenprogramm zur Verbesserung des Funktionszustandes der Wirbelsäule. „Neben einem gerätegestützten Trainingsprogramm in einem Rückenstudio erlernen Teilnehmer darin auch Übungen zur Mobilisation und Kräftigung, die sie zuhause machen können. Darüber hinaus lernen sie ergonomische Verhaltensweisen kennen, die ein Fortschreiten der Rückenprobleme eindämmen oder verhindern sollen“, sagt Ommer-Hohl. 2018 haben landesweit 33.064 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem der 46 AOK-Rückenstudios auf ärztliche Empfehlung hin etwas für ihre Gesundheit getan. „Mit diesem bundesweit einzigartigen Präventionsangebot bieten wir unseren Versicherten einen deutlichen Mehrwert für ihre Gesundheit und zeigen gleichzeitig, dass sich mit qualitativ hochwertigem Engagement in der Prävention Ausgaben positiv beeinflussen lassen“, so Ommer-Hohl.

 

Mit dem orthopädischen FacharztProgramm in Baden-Württemberg, das es seit 2014 gibt, setzen die AOK Baden-Württemberg, Bosch BKK, MEDI Baden-Württemberg und die Berufsverbände BVOU und BNCEs bei Patienten mit gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankungen, die den Bewegungsapparat betreffen, auf eine ganzheitliche Versorgung, die dem aktuellen medizinischen Wissensstand entspricht. Bei Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz bedeutet dies, dass sie umfassend über die Funktionsweise des Bewegungsapparats, mögliche Ursachen für Schmerzen und vorhandene Risikofaktoren für chronische Rückenschmerzen aufgeklärt sowie zu einer rückengesunden Änderung ihres Lebensstils motiviert werden. Dabei erhalten die Patienten auch Informationen zu Nachsorge, Schulungen wie zum Beispiel AOKsports und Rückenschule sowie zu Gesundheitsangeboten der AOK zu den Themen Sport, Ernährung und Entspannung. Untersuchungen zeigen, dass solche frühzeitigen Informations- und Beratungsangebote dazu beitragen können, eine Chronifizierung mit erheblich verminderter Lebensqualität zu vermeiden.

 

Der Fokus des Vertrags liegt auf patientenorientierten Beratungs- und Behandlungsstrategien, die die Struktur und Qualität in der Versorgung fördern. Auswertungen im Rahmen der Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt am Main und das Universitätsklinikum Heidelberg für das Jahr 2016 zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz, die am Facharztprogramm teilnehmen, fast ausnahmslos von ihren Hausärzten gezielt zum Orthopäden überwiesen wurden. Bei einem Drittel der Patientinnen und Patienten fanden Beratungsgespräche durch den Orthopäden statt. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmer des Facharztvertrags seltener in den ersten sechs Wochen nach der Diagnose eine gemäß Leitlinie überflüssige Bildgebung, mussten seltener krankgeschrieben werden (-8,5 % zur Vergleichsgruppe) und benötigten seltener aufgrund ihrer orthopädischen Erkrankung eine Krankenhausbehandlung als Patienten in der Regelversorgung (-3,25 %; 1.000 vermiedene Fälle allein in 2016).

 

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