Serie Stress: Fußballprofi Baumann: „Diese Zeit, in der man sich nicht körperlich betätigt, empfinde ich als stressig.“

Datum: 06.04.2018 / Ressort: Versorgung

Am 17.04.2018 geben die Musiker Judith Holofernes und Heinz Rudolf Kunze bei der "Sprechstunde im Theaterhaus" Einblicke in ihren beruflichen und privaten Stress und ihren persönlichen Umgang damit. Stress gibt es nicht nur im Musikgeschäft, er geht jeden an. Mit dem Torhüter Oliver Baumann, seit seinem Wechsel zur TSG 1899 Hoffenheim im Sommer 2014 einer der Dauerbrenner beim Bundesligisten, sprachen wir über den Druck im Profisport – und mit welchen individuellen Rezepten er ihm Stand hält.

Als junger Fußballprofi ist man – anders als die Altersgenossen, die noch im Studium stehen oder nach ihrer Ausbildung gerade erste Schritte im Beruf gehen – schon mittendrin, steht jedes Wochenende unter dem Druck eines Ligaspiels, unter der Woche im Konkurrenzkampf um einen Platz im Kader. Hätten Sie sich manchmal gewünscht, den Stress des Profifußballers gegen den eines „ganz normalen“ jungen Mannes zu tauschen?


Oliver Baumann: „Nein, ich hätte nie tauschen wollen. Es war immer mein Traum, in der Bundesliga zu spielen und darauf habe ich immer hingearbeitet. Natürlich musste ich dafür auch einiges opfern, aber ich habe es nie bereut – im Gegenteil. Natürlich spürt man den Druck als Profifußballer, aber diesen Druck kann man auch in positive Energie, Emotion oder Gedanken umwandeln. Als Beispiel: Es ist einfach geil, in einem großen Stadion vor so vielen Menschen zu spielen. Unser Beruf bringt Druck mit sich, denn wir wollen erfolgreich sein und die Fußballfans unterhalten.“

Spätestens wenn der Stadionsprecher die Mannschaftsaufstellungen ins Mikrofon brüllt, beginnt es bei zehntausenden Fans im Stadion und noch mehr an den Fernsehschirmen zu kribbeln. Wenn Sie als Profifußballer dagegen den Rasen betreten, haben Sie sich schon tagelang auf das Spiel eingestimmt und vorbereitet, haben taktische Anweisungen im Kopf, Informationen über ihre Gegenspieler, gehen in den folgenden 90 Minuten in unzählige Zweikämpfe, müssen in Sekundenbruchteilen ständig Entscheidungen treffen. Was sind für Sie persönlich die stressigsten Situationen vor und während eines Ligaspiels?

O.B.: „Vor einem Spiel ist es die Phase, bevor ich meine gewohnten Abläufe absolviere. Also die Zeit vor dem Ankommen im Stadion, dem Umziehen in der Kabine, dem Aufwärmen und der unmittelbaren Vorbereitung auf den Anpfiff. Das klingt vielleicht merkwürdig, da man in dieser Zeit ja eigentlich Ruhe hat, aber diese Zeit, in der man sich nicht körperlich betätigt, empfinde ich als stressig. Während des Spiels ist für mich als Torhüter am stressigsten, das gesamte Spiel über angespannt, fokussiert und konzentriert zu sein. Ich möchte immer zur richtigen Zeit die bestmögliche Entscheidung treffen. Das ruft schon ein Stresslevel hervor.“

Viele Menschen finden erst im Lauf Ihres Berufslebens und im fortgeschrittenen Alter den für sie individuell passenden Umgang mit ihrem beruflichen Stress. Als Fußballprofi bleibt nicht viel Zeit, diese Lebenserfahrung zu sammeln. Was sind Ihre Rezepte, mit Ihrem stressigen Job umzugehen? Und wie haben Sie sie gefunden?

O.B.: „Durch die vielen Spiele, die permanente Wiederholung der Spielsituationen – auch im Training – sammelt man Erfahrung und weiß mit der Zeit, wie der eigene Körper am besten mit Anspannung und Entlastung umgeht. Nach einer Partie spiele ich zu Hause zum Beispiel ganz gerne Playstation, um wieder runterzukommen und mich zu entspannen. Wir arbeiten mit unserem Sportpsychologen Prof. Dr. Jan Mayer bei der TSG Hoffenheim immer wieder an unserer Konzentrationsfähigkeit – zum Beispiel mit Hilfe verschiedener Apps. Darüber hinaus eignen wir uns die Fähigkeit an, den Druck positiv zu sehen und entsprechend damit umzugehen.“

Auch ein Profisportler hat ein Privatleben. Was sind für Sie persönliche stressige Situationen in ihrem Alltag jenseits des Berufs? Und wie lösen Sie diesen Stress für sich auf?

O.B.: „Das Reflektieren hilft dabei sehr. Der positive Bundesliga-Stress führt dazu, dass man mit dem Alltagsstress besser umgehen kann. Termin- oder Zeitdruck ist dafür ein gutes Beispiel. Damit kann ich dann abseits des Fußballs sehr gut umgehen und das entsprechend einordnen.“

Zum Abschluss: Sie sind Vorbild für viele junge Kicker, die von einer Profikarriere träumen. Welchen Tipp können Sie ihnen geben, um die richtige Balance zwischen Ehrgeiz, der oft zu selbstgemachtem Stress führt, und der nötigen, aber nicht übertriebenen Hang-Loose-Attitüde zu finden?

O.B.: „Die gesunde Mischung macht es. Ich finde, man sollte immer danach streben, sich zu verbessern. Damit geht viel Disziplin einher. Trotzdem darf man den Spaß am Fußball oder generell am Sport niemals verlieren. Talent und auch das nötige Glück sind weitere wichtige Bausteine, aber vor allem auch der Ehrgeiz. Am Ende des Tages wird einem Talent aber der nötige Antrieb fehlen, wenn der Spaß zu kurz kommt.“


Über die Anzeichen von Stress und wie man den Auswirkungen auf die Gesundheit präventiv entgegenwirken kann, dazu findet ein anregender Talk im Theaterhaus Stuttgart statt. Die beiden Musiker Judith Holofernes und Heinz Rudolf Kunze sowie der wissenschaftliche Experte Professor Martin Bohus diskutieren gemeinsam über Methoden zum Abschalten. Ein Abend, der durch die Live-Auftritte der beiden Songwriter alles andere als stressig wird, sondern viele Anregungen zum Umdenken liefert und zugleich einen spannenden Einblick in das Künstlerleben von Holofernes und Kunze gibt.

Termin: 17. April 2018 um 19.30 Uhr im Theaterhaus Stuttgart, Siemensstraße 11, Stuttgart

Weitere Informationen und Tickets unter: www.Sprechstunde-im-Theaterhaus.de