Serie Stress: Warnzeichen frühzeitig erkennen

Datum: 03.04.2018 / Ressort: Versorgung

Unser Leben ist schneller geworden, anspruchsvoller und komplizierter. Da wäre es sehr außergewöhnlich, wenn man sich nicht auch manches Mal gestresst fühlen würde. Um diese stressigen Zeiten gut zu überstehen, braucht es zum einen das richtige Handwerkszeug zur Stressbewältigung und zum anderen ein waches Auge für die ersten Frühwarnzeichen, um im Stress-Strudel nicht unterzugehen. Wie dies funktioniert, erklärt Prof. Martin Bohus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim:

„Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf Stress. Die einen sind auch bei hoher Arbeitsbelastung und ausgefülltem Privatleben noch fröhlich, andere haut schon die kleinste Krise um. Manche stopfen sich in stressigen Zeiten Schokolade tafelweise in sich hinein, andere greifen gar zu Alkohol und Zigaretten. Manche reagieren gereizt und schotten sich ab, andere drohen zu erstarren. Die einen laufen unter Stress zu Hochform auf, andere verlieren völlig die Orientierung“, erklärt Bohus. Auch wenn es so viele unterschiedliche Reaktionen auf Stress gibt, wie die Menschen verschieden sind, so gibt es doch ein Stufenmodell, das für alle gilt:

Drei Stufen
In einem ersten Schritt ist es wichtig, die eigenen Verhaltensmuster in Stress-Situationen zu kennen. „Wie reagiere ich selbst, wenn ich unter Stress stehe?“. Sind es eher die körperlichen Symptome wie Kopfschmerzen und Herzrasen oder zeigen sich „vegetative“ Störungen wie Schlafstörungen, Heißhunger oder Bewegungsunruhe? Oder aber sind es Ängste, Konzentrationsstörungen oder sonstige grübelnde Gedanken, die einem den Kopf zermartern. Oft ist es auch eine Mischung von allem. Wichtig ist, die eigenen Stress-Reaktionen zu kennen“, betont Bohus.

Im nächsten Schritt geht es darum, den richtigen Umgang mit Stress und Belastungen zu finden. „Die Stress-Reaktionen sind die ersten Alarmglocken, sie sollten uns wachrütteln. Sie zeigen uns, dass Körper und Psyche gestresst sind und wir eigentlich dringend etwas unternehmen sollten, um diese belastende Situation zu verändern. Übersieht man diese Signale, läuft das Stress-System schnell auf Hochtouren und der Akku ist leer. Vielleicht hat man die Alarmglocken überhaupt nicht hören können oder wollen. Oder man hat sich über Jahre ungünstige Verhaltensmuster antrainiert, die vielleicht auf kurze, selten aber auf lange Sicht wirklich helfen“, erklärt Bohus. Auch hier helfe der fürsorgliche Beobachter. Er unterstütze dabei, die Befindlichkeiten wahrzunehmen und zu erkennen, sobald man unter Stress gerät. Auch sei es sinnvoll, sich schon früh gesunde Verhaltensmuster anzueignen, um dann im Stressmoment nicht alles noch schlimmer zu machen. Hierzu gehören laut Bohus Zeit für Entspannung, Aktivitäten mit Freunden, gesundes Essen, ausreichend Bewegung und erholsamer Schlaf. Besonders in stressigen Zeiten werden diese Dinge oft vernachlässigt. Dabei wären sie gerade dann ein wichtiger Ausgleich.

„Ist die Maschine zu lange heiß gelaufen, können erste psychische Störungen auftreten. Jeder dritte Erwachsene ist mindestens einmal im Leben von einer solchen behandlungsbedürftigen Störung betroffen. Manche bringen schon mit der Geburt eine größere Anfälligkeit mit, andere sind schlicht resistenter gegen Stress“, so Bohus. Ob man bei erkennbaren Symptomen von Burnout oder gar einer Depression spreche, sollte man den Fachleuten überlassen. Auch die Behandlung gehöre in die Hände von erfahrenen Psychotherapeuten.


Über die Anzeichen von Stress und wie man den Auswirkungen auf die Gesundheit präventiv entgegenwirken kann, dazu findet ein anregender Talk im Theaterhaus Stuttgart statt. Die beiden Musiker Judith Holofernes und Heinz Rudolf Kunze sowie der wissenschaftliche Experte Professor Martin Bohus diskutieren gemeinsam über Methoden zum Abschalten. Ein Abend der durch die Live-Auftritte der beiden Songwriter alles andere als stressig wird, sondern viele Anregungen zum Umdenken liefert und zugleich einen spannenden Einblick in das Künstlerleben von Holofernes und Kunze gibt.

Termin: 17. April 2018 um 19.30 Uhr im Theaterhaus Stuttgart, Siemensstraße 11, Stuttgart

Weitere Informationen und Tickets unter: www.Sprechstunde-im-Theaterhaus.de