Standard für Betreuungspflege

Häusliche Pflege durch Betreuungskräfte ist weitgehend unreglementiert. Ein DIN-Standard soll nun immerhin eine erste Abhilfe schaffen.

Datum: 20.05.2021 / Ressort: Versorgung

Mehr als 600.000 Menschen, überwiegend Frauen, üben in Deutschland eine Tätigkeit aus, für die es nicht einmal eine konsentierte Bezeichnung gibt: Sie versorgen Pflegebedürftige zu Hause und stammen meist aus Osteuropa.

Manche nennen sie „die Polin“, „die Betreuerin“ oder „die 24-Stunden-Kraft“. Keiner der Begriffe ist sinnvoll: denn es kommen auch Personen aus anderen Ländern zum Einsatz. Eine Betreuerin hat rechtliche Aufgaben und Befugnisse, die diese Damen nicht haben. Und 24 Stunden sind sie gewöhnlich nicht im Einsatz, selbst wenn sie überwiegend mit im Haus wohnen. Genauso schwierig ist eine Beschreibung der qualifikatorischen Mindestanforderungen sowie der Rechte und Pflichten. Bislang existierten keinerlei rechtliche Vorgaben.

Die gibt es zwar auch weiterhin nicht, doch immerhin liegt nun ein DIN-Standard vor, nach dem sich Anbieter zertifizieren lassen können. Er definiert auch die Rahmenbedingungen der Information, Beratung und Vermittlung durch Agenturen. Ein 14-köpfiges Expertengremium aus Pflegewissenschaftlern, Juristen, Anbietern von Pflegeleistungen sowie Verbraucherschützern hat den Standard in anderthalb Jahren langer Arbeit abgestimmt. Er trägt den Titel „Betreuung unterstützungsbedürftiger Menschen durch im Haushalt wohnende Betreuungskräfte aus dem Ausland – Anforderungen an Vermittler, Dienstleistungserbringer und Betreuungskräfte“ und die Bezeichnung DIN SPEC 33454.

Zu den Initiatoren gehört Oliver Weiss, Geschäftsführer des Stuttgarter Pflegeunternehmens Mecasa. „Voraussetzungen für die Tätigkeit sind ausreichende Deutschkenntnisse und Grundlagenwissen im Bereich Hauswirtschaft und Pflege sowie die nachgewiesene Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs. Die Betreuungskraft hat ein Anrecht auf ein möbliertes Zimmer mit Fenster und WLAN.“ Auch wenn es von Wettbewerbern große Widerstände gegen die Initiative gab, wie Weiss berichtet, ist das Interesse an einer Zertifizierung groß, sagt die Dekra, die als einzige Prüfgesellschaft den neuen Standard abnimmt. Zertifizierte Anbieter erkennt man daran, dass sie die DIN SPEC ausweisen – ebenso wie das Institut, das die Prüfung durchgeführt hat.

Dieser Beitrag stammt aus dem #AgendaGesundheit Magazin. Die aktuelle Ausgabe findet sich im Anhang dieser Seite.