Studierende leiden unter Lockdown

Studierende leiden laut einer Civey-Befragung während des Lockdowns stärker unter den Kontaktbeschränkungen als alle anderen Gruppen, fühlen sich am häufigsten antriebslos, einsam und müde und erleben auch die eingeschränkten Reisemöglichkeiten belastender.

Datum: 24.03.2021 / Ressort: Studien

Knapp die Hälfte der Erwachsenen in Baden-Württemberg fühlt sich durch die anhaltenden Lockdown-Maßnahmen psychisch stark oder gar sehr stark belastet. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der AOK Baden-Württemberg. Zwischen den Bevölkerungsgruppen existieren jedoch große Unterschiede. Insbesondere für Studierende stellen die Beschränkungen starke Herausforderungen dar. Mit 55,9 Prozent gaben hier noch mehr Menschen eine starke Belastung an als bei Selbständigen, Arbeitnehmern oder Rentnern. Nach Beschäftigungsgruppen unterteilt, zeigten lediglich „Nichterwerbspersonen" einen noch höheren Stresslevel (72,7 Prozent).

Studierende leiden öfter unter den Kontaktbeschränkungen als alle anderen Gruppen, fühlen sich am häufigsten antriebslos, einsam und müde und erleben auch die eingeschränkten Reisemöglichkeiten belastender. Gleichzeitig nimmt keine Beschäftigtengruppe so selten  professionelle psychologische Hilfe wegen der Pandemie in Anspruch: Während quer durch die Bevölkerung 7,5 Prozent angaben, entsprechende Unterstützung genutzt zu haben, sind es bei den Studierenden nur 1,2 Prozent. „Man liest viel über die Situation in Altenheimen oder Familien, aber über so eine spezielle Zielgruppe wie die Studierenden sehr wenig", sagt Präventionsexperte Alexander Kölle von der AOK Baden-Württemberg. Große Teile des normalen Studentenlebens seien entfallen; Praktika, Nebenjobs und Auslandssemester weitgehend auch. „Jeder vierte Student hat Sorge um seine Zukunft", sagt Kölle. „Das ist schon eine sehr hohe Hausnummer. 42 Prozent sind durch das Thema Einsamkeit geprägt momentan."

„Studierende verlassen ein stark strukturiertes Umfeld aus Familie und Schule und haben jetzt kaum Möglichkeiten, durch soziale Vernetzung wieder Orientierung und Kontrolle zu erlangen", ergänzt AOK-Psychologin Sandra Goal. Junge Menschen, die umgezogen seien, könnten in ihrer Umgebung keine Kontakte knüpfen; solche, die bei ihren Eltern blieben, ebenfalls keine neue Routine entwickeln. Antriebslosigkeit passe zu diesem Befund: „Die wissen ja nicht, in welche Richtung." Positiv nimmt Goal wahr, dass Studierende unter allen Beschäftigungsgruppen am häufigsten „Spazieren" als Aktivität zum mentalen Ausgleich angegeben haben (67,3 Prozent), am seltensten dagegen Bewegungs- und Entspannungs-Apps (null Prozent). „Es stimmt also nicht, dass die digitale Generation ständig am Handy hängt." Frische Luft, Sinneseindrücke und Bewegung seien wichtig.

Die AOK-Experten raten dazu, den Zustand der Seele ernst zu nehmen. „Man weiß nach der Schule nicht, wie man mit seiner Psyche und seinen Gefühlen umgeht", sagt Kölle. „Aber man kann seine Psyche genauso trainieren wie den Körper."

Für die AOK-Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 2. bis 12. März 2002 Volljährige online befragt.

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