Verkehrsstaus sind Hauptursache für Pendler-Stress

Repräsentative Forsa-Umfrage

Datum: 10.01.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

40 Prozent der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg empfinden ihren Weg zur Arbeit als Belastung. Je länger die Fahrt zum Arbeitsplatz dauert, desto eher verursacht sie Stress bei Berufspendlern. Zu diesen Ergebnissen kommt eine von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage unter Erwerbstätigen in Baden-Württemberg. Verkehrsstaus sind für 63 Prozent derjenigen, die sich durch ihren Arbeitsweg belastet fühlen, die Hauptursache für Pendler-Stress – gefolgt vom Zeitaufwand allgemein mit 29 Prozent sowie Verspätung beziehungsweise Ausfall und Überfüllung öffentlicher Verkehrsmittel mit jeweils rund 10 Prozent. Baden-Württemberg zählt laut ADAC zu den drei Bundesländern mit den häufigsten Staumeldungen.

 

Wochenendpendler und Pendler, die täglich lange Strecken zurücklegen, haben im Vergleich zu anderen Berufstätigen ein deutlich erhöhtes Risiko, Stress zu empfinden. „Ob Stress als positiv oder negativ erlebt wird und ob überhaupt Stress erlebt wird, hängt von unseren subjektiven Einschätzungen ab. Eine positive Grundeinstellung zur Mobilität kann helfen, Fehlbelastungen vorzubeugen oder sie zu mindern“, erklärt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Ba-den-Württemberg.

 

Laut Forsa-Studie ist das Auto für mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg das bevorzugte Verkehrsmittel zur Bewältigung ihres Arbeitswegs. Nur etwa jeder Zehnte nutzt Bus, U- oder S-Bahn, Straßenbahn beziehungsweise Regional- und Fernzug. Noch seltener fahren die Erwerbstätigen mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuß (jeweils 8 Prozent). Die Mehrheit (64 Prozent) der Erwerbstätigen benötigt weniger als 30 Minuten, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. Etwa ein Viertel (24 Prozent) ist 30 Minuten bis eine Stunde unterwegs, und knapp jeder Zehnte hat einen Arbeitsweg von mehr als einer Stunde.

 

Je länger der Weg zur Arbeit, desto höher ist die empfundene Belastung. 42 Prozent derjenigen, die länger als 30 Minuten unterwegs sind, fühlen sich „sehr stark“ oder „ziemlich stark“ belastet. Weitere 30 Prozent empfinden eine „schwache“ Belastung“. Im Vergleich zu einer Forsa-Studie der AOK Baden-Württemberg von 2015 hat die gefühlte Belastung durch den Arbeitsweg tendenziell zugenommen. Laut Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg pendeln täglich rund 3,2 Millionen Erwerbstätige in Baden-Württemberg zur Arbeit.

 

21 Prozent der befragten Erwerbstätigen in Baden-Württemberg fühlen sich durch ihren Arbeitsweg in ihrem Freizeitverhalten eingeschränkt. 15 Prozent sagen, Familie und Freunde kämen zu kurz. Unter typischen Stress-Symptomen wie Nervosität, Herzrasen oder Schweißausbrüchen leiden 6 Prozent der Befragten. Knapstein: „Berufliche Mobilität führt nicht immer und bei allen zu psychischen und körperlichen Belastungen. Flexibilität bei der Zeiteinteilung, Handlungsspielräume bei der Aufgabenbewältigung und soziale Unterstützung durch Kollegen werden häufig als positiv erlebt.“ Auch Pendler können von einer gesunden Lebensweise profitieren, insbesondere mit Blick auf Ernährung, ausreichend Bewegung, Schlaf und Pausen. Entlastung von ihrem Pendler-Stress versprechen sich 27 Prozent durch häufigere Arbeit von zuhause aus. 18 Prozent würden eine Fahrgemeinschaft in Erwägung ziehen.

 

Die AOK Baden-Württemberg hat 2013 das Präventionsprogramm „Lebe Balance“ gestartet, das zum Ziel hat, die Anfälligkeit für psychische Störungen zu senken. Die Menschen erlernen in dem Programm, ihre persönlichen Schutzfaktoren zu stärken und ihr Leben intensiver nach ihren Werten auszurichten. „Sind Menschen freiwillig mobil, zeigen sich deutlich weniger bis keine negativen Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden“, erklärt PD Dr. Sabine Knapstein. Negative Folgen für das Wohlbefinden habe Mobilität insbesondere dann, wenn sie als Zwang empfunden wird – etwa, um drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden.

 

Knapstein empfiehlt, die Fahrt zum Arbeitsweg für Stress reduzierende Tätigkeiten zu nutzen, in Bus und Bahn beispielsweise mit der Lebe-Balance-App, mit der sämtliche Inhalte des AOK-Präventionsprogramms per Smartphone leicht verfügbar sind. Die Lebe Balance-App, die für Android und IOS in den jeweiligen App-Stores kostenlos verfügbar ist, hilft bei der Stressbewältigung und führt den Nutzer mit angeleiteten Übungen, Tipps und kurzen Nachrichten durch den Alltag. Der häufigste Zeitvertreib ist für 55 Prozent der Erwerbstätigen bislang das Hören von Musik. 14 Prozent der Befragten telefonieren auf dem Arbeitsweg. 10 Prozent erledigen berufliche Aufgaben, 8 Prozent sind im Internet aktiv und 7 Prozent lesen ein Buch oder eine Zeitung.

 

Quelle: Die repräsentative Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Zwischen dem 24. Oktober und 13. November 2017 wurden insgesamt 505 Erwerbstätige ab 18 Jahren in Ba-den-Württemberg anhand von computergestützten Telefoninterviews (CATI) befragt.

 

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