Vitamintabletten helfen Herz und Hirn nicht

Gesunde Ernährung und Bewegung sind laut Experten vielversprechender

Datum: 07.09.2018 / Ressort: Gesundheitstipps

Laut Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) senken Vitaminpillen nicht das Risiko an einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt zu erkranken. In einer Übersichtstudie, die aktuell veröffentlicht wurde, haben Forscher 18 Studien mit mehr als zwei Millionen Teilnehmern ausgewertet. Das Ergebnis stützt die Resultate zahlreicher Studien aus den vergangenen Jahren: Unabhängig von Einnahmezeitraum, Alter, Geschlecht, Raucher/Nichtraucher oder der sportlichen Aktivität haben Nahrungsergänzungsmittel keinerlei Auswirkungen auf das Risiko einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Weitaus vielversprechender zur Vorbeugung gegen Gefäßerkrankungen sind nach Aussagen der DSG-Experten gesunde Ernährung sowie Sport und Bewegung. Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfall wird generell eine mediterrane Ernährung mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst sowie ausreichend körperliche Bewegung empfohlen. Zu den Risikofaktoren, die beeinflussbar sind, zählen Übergewicht, Bewegungsmangel, Nikotin- sowie Alkoholkonsum. Welcher Nachholbedarf in Deutschland mit Blick auf regelmäßige körperliche Bewegung besteht, zeigt eine aktuelle Veröffentlichung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): 2016 lag die Quote der Bewegungsmuffel in Deutschland bei 42 Prozent. Als körperlich ausreichend aktiv gilt laut WHO, wer sich pro Woche zweieinhalb Stunden bewegt oder 75 Minuten Sport treibt. Für eine optimale Gesundheitsprävention sollten es mindestens fünf Stunden Bewegung pro Woche oder zweieinhalb Stunden Sport sein.

Ursache eines Herzinfarkts sind meist hochgradige Verengungen oder gar ein kompletter Verschluss eines Herzkranzgefäßes. „Von 100.000 Menschen in Deutschland wird pro Jahr bei rund 300 ein Herzinfarkt diagnostiziert. Zum Vergleich: In Schweden oder auch in Japan sind es weniger als 100 von 100.000 pro Jahr.  Bei der Interpretation dieser Zahlen sind jedoch regionale Gegebenheiten zu berücksichtigen“, berichtet Dr. Jan Paulus, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg. Eine Ernährungsumstellung, angepasste Bewegung und Nikotinstopp können sich auch bei bereits Erkrankten günstig auf den Verlauf auswirken. Die AOK bietet ihren Versicherten im Rahmen von Haus- und FacharztProgramm eine Versorgung an, bei der sich Hausarzt und behandelnder Kardiologe bei der Therapie besonders eng abstimmen.
Ein Schlaganfall wird durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn ausgelöst. Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel, in dessen Folge Nervenzellen absterben. Die Hirnfunktionen und damit die Steuerung des Körpers werden dadurch stark beeinträchtigt. „Bewusstseinsstörungen, halbseitige Lähmungen und Ausfallerscheinungen des Sprech- oder Sehvermögens können die Folge eines Schlaganfalls sein“, erläutert Dr. Jan Paulus.

Die rasche Akutversorgung in spezialisierten Krankenhausabteilungen, sogenannten Stroke Units, hat die Sterblichkeit sowie das Risiko bleibender Behinderungen durch einen Schlaganfall gesenkt. Da bei einem Schlaganfall eine Unterversorgung von Hirnregionen mit Blut und Sauerstoff auftritt und dabei Gehirnzellen absterben, beginnt der Wettlauf gegen die Zeit bereits mit den ersten Symptomen. In Baden-Württemberg wurde mit Unterstützung der AOK eine neue Schlaganfall-Konzeption erarbeitet, um Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall besser zu versorgen. An 49 Standorten weist die Website des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales und Integration entsprechende Einrichtungen für Schlaganfallpatienten aus (Stand: 01.08.2017). Doch bevor der Patient medizinisch versorgt werden kann ist es wichtig, dass Laien Symptome eines Schlaganfalls sicher erkennen und entsprechend schnell reagieren können. Die FAST-Methode unterstützt beim Erkennen der typischen Symptome: www.aok.de/pk/bw/inhalt/schlaganfall-symptome-richtig-deuten/