Zeckensommer

2018 beschert uns die größte Anzahl an Zecken der letzten zehn Jahre

Datum: 09.08.2018 / Ressort: Gesundheitstipps

Der deutsche Südwesten ist beliebt bei mittelständischen Unternehmen, bei Touristen und – bei Zecken. Viele Regionen gelten hier seit langer Zeit als Gebiete mit hoher Zeckendichte. Die kleinen Spinnentiere finden in den Wiesen und ausgedehnten Wäldern des Südens ideale Lebensbedingungen, zumal sie warme Temperaturen lieben. Im Sommer 2018 kommt nun alles zusammen: In Baden-Württemberg als dem ohnehin schon wärmsten Bundesland, klettern die Temperaturen auf bis zu 39 Grad. In seinen zeckenfreundlichen Biotopen lässt die Hitze in diesem Jahr noch mehr Krabbeltiere schlüpfen als sonst. 2018 wird damit zu einem Zeckenjahr.

Ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Infektionsforschung (DZIF) und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr hat sich in jüngster Zeit vor allem mit dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) beschäftigt, einer besonders weit verbreiteten Zecken-Art. Die Wissenschaftler kamen im Frühjahr zu der Prognose, dass der Holzbock 2018 in Süddeutschland wesentlich häufiger vorkommen wird als in früheren Jahren. Im Jahr 2017 konnte das Team auf einer standardisierten Messfläche 180 Holzböcke zählen. Für den Sommer 2018 sagten die Forscher für eine gleich große Fläche 443 Zecken voraus.

Zecken leben im Wald, entlang von Waldrändern und auf schattigen Wiesen, aber auch in Grünanlagen mit Büschen und Bäumen. Sie ernähren sich vom Blut von Wirbeltieren. Um auf einen Wirt zu gelangen, klettert die Zecke auf eine erhöhte Stelle wie zum Beispiel einen Grashalm oder ein Gebüsch. Dort wartet sie in einer Höhe von weniger als einem Meter, bis ein Tier oder ein Mensch vorbeikommt und lässt sich vom künftigen Wirt quasi aufstreichen. Unwahr ist dagegen die weit verbreitete Ansicht, Zecken ließen sich von Bäumen fallen. Auch springen können sie nicht.

Zum Problem werden Zecken für Menschen, weil sie über ihren Speichel und über ihre Beißwerkzeuge Krankheitserreger übertragen können. FSME und Borreliose sind die beiden Erkrankungen, für deren Übertragung Zecken gefürchtet werden.

Borreliose

Dr. Simon Dally, Biologe bei der AOK Baden-Württemberg, erklärt, woran Betroffene Infektionen durch Zeckenbisse erkennen können: „Meist tritt an der Einstichstelle eine juckende Rötung der Haut auf, die einige Tage später wieder verschwindet. Dabei handelt es sich um eine normale Reaktion, nicht um das Anzeichen einer Borreliose. Die sogenannte Wanderröte ist hingegen auf eine Borreliose-Infektion zurückzuführen. Sie tritt einige Tage, manchmal auch erst einige Wochen, nach einem Zeckenstich auf. Diese deutliche ringförmige Hautrötung ist oft im Zentrum blasser als am Rand. Der rote Ring wandert dann allmählich nach außen. In einigen Fällen erscheint nur eine unspezifische Hautrötung, die wandert. Tritt dies ein, sollte der Hausarzt zur Abklärung aufgesucht werden.“

Behandelt wird Borreliose in der Regel mit Antibiotika. Meist heilt sie komplett aus. Ohne Antibiotikabehandlung ist das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht. Dann kann es in der Folge zu einer Neuroborreliose mit Lähmungserscheinungen, Nervenentzündungen oder einer Gehirnhautentzündung kommen. Selten entwickelt sich nach einer unbehandelten Borreliose auch eine Lyme-Arthritis mit Entzündungen und Schwellungen der Gelenke. Beide Erkrankungen können mit Antibiotika behandelt werden und bleiben meist ohne Spätfolgen.

FSME

Die andere von Zecken übertragene Infektion ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis, die vor allem unter ihrer Abkürzung FSME bekannt ist. Bei ihr handelt es sich um eine Virus-Infektion. Simon Dally: „Anders als bei Borreliose-Bakterien gibt es gegen die FSME-Viren eine Impfung, sie wird in Risikogebieten vor allem für Personen empfohlen, die sich viel im Freien aufhalten.“

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 15.563 Versicherte der AOK Baden-Württemberg aufgrund einer Borreliose-Erkrankung (stationär oder ambulant) behandelt. Betroffen waren 8.702 Frauen und 6.861 Männer. Am häufigsten betroffen ist die Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen und die Gruppe der 75- bis 79-Jährigen. Der Anteil der Betroffenen steigt mit zunehmendem Alter an. Eine Ausnahme bilden Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren, unter denen der Anteil bereits über dem der 10- bis 14-Jährigen liegt. Ab dem 80. Lebensjahr fällt der Anteil der Betroffenen wieder ab.

Vorbeugung hilft

Wer den Sommer in seinen vier Wänden verbringt, wird keinen Zecken begegnen. Wer sich aber viel im Freien aufhält, sollte sensibel für mögliche Gefahren sein. Zum Schutz vor Stichen und möglichen Infektionen sollten bei Aktivitäten und Aufenthalten auf Wiesen, im Wald, an Waldrändern sowie in Grünanlagen mit Büschen und Bäumen geschlossene Schuhe, lange Hosen und Oberbekleidung mit langen Ärmeln getragen werden. Zusätzlich kann man sich schützen, wenn man die Hosenbeine in die Socken steckt. Hilfreich sind vor allem helle Hosen, weil sich auf ihnen Zecken als dunkle Punkte leicht erkennen lassen.

Zecken entfernen

Wer trotz aller Vorsicht eine Zecke findet, die sich in einer Hautstelle festgesetzt hat, sollte sich so verhalten, wie es AOK-Arzt Dally empfiehlt: „Hat eine Zecke gestochen, sollte sie so schnell wie möglich mit einer Zeckenpinzette oder Zeckenkarte entfernt und die Wunde sorgfältig desinfiziert werden. Dabei sollte die Zecke möglichst nicht gedreht werden. Auf keinen Fall sollte man sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufeln, weil dies dazu führen könnte, dass die Zecke mögliche Krankheitserreger abgibt.“