Zumeldung - Cannabis-Report

Aktuelle Zahlen und Einschätzungen zum Gesetz Cannabis als Medizin.

Datum: 17.05.2018 / Ressort: Arzneimittel, Zumeldung

Seit Inkrafttreten des Gesetzes „Cannabis als Medizin“ am 10.03.2017 sind bei der AOK Baden-Württemberg insgesamt 1745 Anträge eingegangen. Die aktuelle Genehmigungsquote liegt bei 82,5 %. Alle eingehenden Anträge werden sorgfältig geprüft und in der Regel dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zur Begutachtung vorgelegt. Dieser begutachtet die Anträge nach einem einheitlichen verbindlichen Begutachtungsleitfaden. Die für die Begutachtung beim MDK notwendigen Angaben werden mit einem Arztfragebogen (https://www.kvbw-admin.de/api/download.php?id=2740) beim Vertragsarzt angefordert.

Knapp die Hälfte aller Anträge wurden zur Behandlung von unterschiedlichsten Schmerzzuständen gestellt. Bei Krebserkrankungen werden neben der Behandlung von Schmerzen auch häufig Anträge für die Behandlung der Kachexie oder chemotherapieinduziertem Erbrechen gestellt. Eine weitere wesentliche Indikationen ist die Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose. Auch bei psychiatrischen Krankheitsbildern werden Therapieversuche unternommen. Darüber hinaus findet sich noch eine Vielzahl weiterer Erkrankungen.

„Bis auf einige Ausnahmen gibt es für die meisten anderen potenziellen medizinischen Anwendungsgebiete von Cannabinoiden derzeit nur wenig Evidenz“, sagt Susanne Braun, Apothekerin bei der AOK Baden-Württemberg. Um Erkenntnisse über die Wirkung von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu gewinnen und somit eine Grundlage für die Entscheidung über die dauerhafte Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkasse zu haben, wurde die Teilnahme an einer nicht interventionellen anonymisierten Begleiterhebung verpflichtend in das Gesetz aufgenommen. „Aufgrund des fehlenden Wirkungsnachweises lässt das Gesetz bisher auch keine Einschränkung auf bestimmte Indikationen zu. Deshalb erachten wir die Begleiterhebung und deren Ergebnisse als besonders wichtig“, sagt Braun.

Bei den genehmigten Anträgen verteilen sich die Darreichungsformen wie folgt: Cannabisblüten: 33 %, Dronabinol (Tropfen, Kapseln): 56 % und Fertigarzneimittel (Sativex®, Canemes®): 11 %. Susanne Braun: „Viele Ärzte bevorzugen die Verordnung von Dronabinol und Fertigarzneimitteln, da die Anwendung für den Patienten einfacher ist und die Therapie besser gesteuert werden kann.“