Zweite ärztliche Meinung: Wichtige Entscheidungshilfe für Patienten

Ärzte können jetzt Zulassung zur Abrechnung von Zweitmeinung beantragen

Datum: 12.12.2018 / Ressort: Versorgung

Nachdem der Anspruch auf eine Zweitmeinung bei planbaren Eingriffen mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom 16.07.2015 als neue vertragsärztliche Leistung in § 27b SGB V festgeschrieben wurde, sind nun die Verfahrensregeln des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in Kraft getreten. Ärzte können bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ab sofort eine Genehmigung zur Abrechnung von Zweitmeinungen beantragen.

Die Zweitmeinung ist eine unabhängige, neutrale ärztliche Meinung, die Patienten zur Notwendigkeit eines geplanten Eingriffs sowie zu Behandlungsalternativen beraten soll. Sie umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes, ein Anamnesegespräch sowie körperliche Untersuchungsleistungen. Ein rechtlicher Zweitmeinungsanspruch gilt für Versicherte aller gesetzlichen Krankenkassen und besteht vorerst bei zwei Indikationen: Eingriffe an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln sowie bei Gebärmutterentfernungen.

Ärztinnen und Ärzte, die eine Zweitmeinung abgeben, müssen die vom G-BA festgelegten Anforderungen an die besondere, eingriffsspezifische Qualifikation erfüllen. Sie müssen eine Facharztbezeichnung aus dem jeweiligen Fachgebiet haben und mindestens fünf Jahre in Vollzeit (bei Teilzeit entsprechend mehr) in der Patientenversorgung dieses Fachgebiets tätig gewesen sein. Zudem dürfen keine Interessenkonflikte vorliegen, die einer Unabhängigkeit der Zweitmeinung entgegenstehen. Darum darf der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, nicht den Eingriff an dem begutachtenden Patienten vornehmen.

„Wir begrüßen die Möglichkeit einer ärztlichen Zweitmeinung, die durch den Gesetzgeber geschaffen wurde, denn Sie hilft Patientinnen und Patienten einzuschätzen, ob ein Eingriff notwendig ist oder es Behandlungsalternativen gibt“, sagt Dr. Leslie Trautrims-Michelitsch, Fachbereichsleiterin Behandlungsmanagement bei der AOK-Baden-Württemberg. „Unabhängig von der gesetzlichen Zweitmeinung, bietet die AOK Baden-Württemberg ihren Versicherten über ihre Satzung ein breites Angebot zur ärztlichen Zweitmeinung, das weit über den gesetzlichen Anspruch hinausgeht.“

Mehr zur Zweitmeinung der AOK Baden-Württemberg finden Sie hier