Rezeptfreie Schmerzmittel

Beipackzettel wird kaum gelesen

Datum: 06.06.2017

Eine von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte aller Baden-Württemberger beim Kauf eines für sie eher neuen rezeptfreien Schmerzmittels den Beipackzettel nicht detailliert durchlesen. 41 Prozent lesen nur die Abschnitte, die ihnen besonders wichtig erscheinen, 11 Prozent überfliegen den Beipackzettel nur kurz und 8 Prozent lesen ihn gar nicht.

Dabei werden die Gefahren von frei verkäuflichen Schmerzmitteln von knapp jedem zehnten Befragten unterschätzt: 8 Prozent der Baden-Württemberger halten eine regelmäßige Verwendung rezeptfreier Schmerzmittel für ungefährlich. Die deutliche Mehrheit (88 %) geht dagegen davon aus, dass damit Gefahren verbunden sind. Weitere 4 Prozent sind sich unsicher, ob die regelmäßige Verwendung solcher Schmerzmittel ungefährlich ist oder nicht. „Die häufigsten Komplikationen rezeptfreier Schmerzmittel sind je nach Wirkstoff Schleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Nierenfunktionsstörungen, aber auch Leberschädigungen sind zum Beispiel bei einer erhöhten Dosis von beispielsweise Paracetamol möglich. Neuere Studien weisen darauf hin, dass bestimmte rezeptfreie Schmerzmittel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnten“, so Dr. med. Jan Paulus, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg.

Immerhin informiert sich gut jeder zweite Verwender frei verkäuflicher Schmerzmittel (58 %) vor dem Kauf solcher Mittel über das Arzneimittel. Am ehesten wird dazu ein Apotheker angesprochen: 42 Prozent erkundigen sich beim Kauf direkt in der Apotheke. 23 Prozent sprechen vor dem Kauf rezeptfreier Schmerzmittel ihren Arzt darauf an. 11 Prozent nutzen Erfahrungen von Familienangehörigen, 6 Prozent Erfahrungen von Freunden und 3 Prozent Informationen aus der Werbung. 9 Prozent sagen spontan, dass sie andere Informationsquellen nutzen. 42 Prozent verzichten in der Regel vor dem Kauf von frei verkäuflichen Schmerzmittel auf Informationen, da sie das Mittel seit Jahren kennen – Frauen verzichten häufiger darauf als Männer.

Laut Forsa-Umfrage ist Ibuprofen das mit Abstand am häufigsten verwendete rezeptfreie Schmerzmittel: 74 Prozent derjenigen, die mindestens einmal im halben Jahr rezeptfreie Schmerzmittel verwenden, haben in den letzten 12 Monaten zu Ibuprofen gegriffen. 44 Prozent haben Paracetamol verwendet, 32 Prozent Aspirin, 14 Prozent Diclofenac und 2 Prozent Naproxen. 7 Prozent haben spontan andere rezeptfreie Schmerzmittel genannt, die sie in den letzten 12 Monaten verwendet haben, wie z. B. Thomapyrin, Novalgin, Dolormin und Nurofen.

Die Pressemitteilung sowie die kompletten Ergebnisse der Studie finden Sie hier.