Atemwegserkrankungen

Kalte Jahreszeit: Wenn die Nase läuft

Nach den eisigen Temperaturen zum Jahreswechsel läuft bei vielen Kindern die Nase und der Hals kratzt. Ohne eine Erkältung kommt fast kein Kind durch den Winter. "Es ist keine Seltenheit, dass ein Kind sechs bis zehn Erkältungen pro Jahr aus der Schule, dem Hort oder Kindergarten mit nach Hause bringt. Erwachsene haben durchschnittlich zwei bis vier Erkältungen pro Jahr, meist im Winter.", sagt Dr. Hans-Peter Zipp, Kinder- und Jugendarzt bei der AOK Baden-Württemberg. In den Kindergärten und Schulen mehren sich die Krankheitsfälle und viele Eltern können schwer einschätzen, ob es "nur" eine harmlose Erkältung oder doch eine ernstzunehmende Grippe ist. Doch was tun bei einer Erkältung? Wann bedarf es einer Behandlung der Beschwerden? Wie sieht es mit der Wirksamkeit von  Medikamenten oder Hausmitteln aus bei einer gewöhnlichen Erkältung und ab wann sollte der Arzt aufgesucht werden?

Wodurch unterscheiden sich eine Erkältung und eine Grippe?
Dr. Hans-Peter Zipp: "Meistens haben die Kinder bei Schnupfen, Halsweh und Husten tatsächlich nur eine Erkältung oder einen grippalen Infekt. Selten kommen noch erhöhte Temperatur oder Fieber hinzu. Eine echte Grippe kommt dagegen im Kindes- und Jugendalter kaum vor. Der Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Grippe liegt vor allem im verursachenden Erreger, in der Intensität der Krankheit und im Verlauf. Eine Erkältung wird durch eine Vielzahl von Erregern hervorgerufen, zum Beispiel Rhino-,Adeno- oder Coronaviren, verläuft überwiegend harmlos und klingt meist innerhalb von einer Woche auch ohne Behandlung ab. Eine Grippe wird durch Influenzavieren verursacht, geht eher mit einem plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl, verbunden mit Allgemeinsymptomen wie Muskel- und/oder Kopfschmerzen und Reizhusten einher und hält länger an. Hier besteht auch eine höhere Dringlichkeit zur Behandlung der Beschwerden um Komplikationen zu vermeiden."

Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind typische Erkältungssymptome hat?
Dr. Hans-Peter Zipp: "Die Behandlung bei einer Erkältung wirkt nicht gegen die Krankheitserreger, sondern ist darauf ausgerichtet, die Beschwerden zu lindern. Meist empfiehlt der Arzt dafür Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sowie Nasensprays. Wenn das Kind wieder aktiv ist, sich sichtlich erholt hat und anhaltend fieberfrei ist, kann es auch wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen."

Welche Hausmittel können bei einer Erkältung bedenkenlos verabreicht werden?
Dr. Hans-Peter Zipp: "Bei einer Erkältung helfen in jedem Fall viel Ruhe und Schlaf. Wenn es dem Kind guttut, ist sicherlich auch etwas zu Trinken förderlich. Ob es sich dabei um Kaltgetränke oder warmen Tee handelt, richtet sich nach den Vorlieben des Kindes. Denn medizinisch betrachtet, hat die Flüssigkeitsaufnahme keinen Einfluss auf die Erkrankung. Das bedeutet aber auch, dass man ein Kind nicht zum Trinken zwingen muss, wenn es nicht mag. Eine Ausnahme gilt, wenn das Kind aufgrund der Erkrankung Fieber hat oder stark schwitzt und dadurch viel Flüssigkeit verliert. Dann sollte man es schon zum Trinken ermuntern. Hausmittel sind in ihrer Wirksamkeit nicht durch Studien belegt, können aber im Einzelfall versucht werden. Säfte mit Thymian oder Efeu und Präparate, die Wirkstoffe aus beiden Pflanzen enthalten, wirken schleimlösend und entkrampfen die Atemwege. Anis und Fenchel, die es häufig als Tees gibt, können das Abhusten unterstützen. Einen reizlindernden Effekt haben Hustensäfte mit Eibisch. Der Pflanzenextrakt bildet einen wohltuenden Film auf den Schleimhäuten des Rachens. Einreibungen mit Latschenkiefer- oder Kiefernnadelöl können bei Kindern ab zwei Jahren die Nase frei machen. Bei jüngeren Kindern sollten sie nicht angewendet werden. Altersunabhängig unterstützen Nasentropfen oder –sprays mit Kochsalz oder auch abschwellenden Wirkstoffen."