Knalltrauma

Silvesterfeuerwerk

Wenn die Ohren schmerzen

Zum Jahreswechsel fliegen sie wieder – die Böller, Kracher und Raketen. Was für die meisten ein großer Spaß ist, hat für andere Jahr für Jahr ein ernstes Nachspiel. Auch zu diesem Jahreswechsel werden sich wohl wieder mehr als 100 Baden-Württemberger mit einem Knalltrauma in ärztliche Behandlung begeben müssen.

„Meist sind Feuerwerkskörper, die zu nah am Ohr der Betroffenen explodieren, die Ursache für ein Knalltrauma “, erklärt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Noch in zwei Metern Entfernung entfalteten Silvesterknaller eine Lautstärke von 150 Dezibel. „Das menschliche Ohr ist bereits ab 85 Dezibel akut gefährdet.“

Woran erkennt man, dass man unter einem Knalltrauma leidet?

Knapstein: „Menschen, die ein Knalltrauma erleiden, hören plötzlich schlechter – vor allem die hohen Frequenzen. Das Ohr fühlt sich an, als ob es verstopft wäre. Auch ein Tinnitus, der sich durch monotone Dauergeräusche im Ohr äußert, tritt häufig auf. In einzelnen Fällen ist den Betroffenen zudem schwindelig oder sie spüren einen stechenden Schmerz im Ohr.“

Wann empfiehlt es sich, den Arzt aufzusuchen?

Knapstein: „Oft legen sich die Beschwerden nach ein paar Stunden von allein. Falls nicht, sollten Betroffene unbedingt zum Arzt gehen. Denn ein schweres und nicht behandeltes Knalltraum kann sogar dauerhaft die Hörfähigkeit beeinträchtigen.“

Wie lässt sich ein Knalltrauma behandeln?

Knapstein: „Therapierbar ist ein Knalltrauma beispielsweise mit Kortison, Hydroxyethylstärke oder Procain. Die Wirkstoffe werden in mehreren Sitzungen als Infusion ins Ohr geleitet – anfangs hochdosiert und später in immer geringerer Konzentration. Wird ein Knalltrauma rechtzeitig behandelt, wird das Ohr in den meisten Fällen wieder restlos gesund.“

Was passiert bei einem Knalltrauma im Ohr?

Knapstein: „Ein Knalltrauma wird meist dadurch ausgelöst, dass die Haarzellen im Inneren der Hörschnecke überlastet sind. Eine der Aufgaben von Haarzellen ist es, Schallwellen in bioelektrische Energie umzusetzen, damit unser Gehirn sie über den Hörnerv als Information verarbeiten kann. Eine andere Aufgabe ist es, die Intensität der bioelektrischen Signale zu verstärken oder zu dämpfen. Bei einem Knalltrauma ist es meist diese zweite Aufgabe, die die Haarzellen nicht mehr adäquat übernehmen können. Daher klingt für den Betroffenen alles stark gedämpft. Bei einem besonders starken Knalltrauma, können Haarzellen sogar zerstört werden.“

Wie kann man sich schützen?

Knapstein: „Die Menschen sollten darauf achten, möglichst weit von explodierenden Feuerwerkskörpern entfernt zu bleiben. Zudem können Ohrstöpsel aus Wachs oder Kunststoff helfen. Für Kinder bieten sich Ohrenschützer an.“