Pflege zuhause

Prognose: Pflege zuhause wird weiter zunehmen

Rund 60 Prozent sind bereit, eigene Bedürfnisse zurückzustellen 

In Deutschland gibt es immer mehr Pflegebedürftige. Laut aktuellen Erhebungen des Statistischen Bundesamts stieg ihre Zahl bis Ende 2015 auf knapp 2,9 Millionen Menschen. Ein zentraler Trend: Immer häufiger kümmern sich die Angehörigen um die Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden. Schon heute gilt dies in zwei von drei Fällen.

Eine aktuelle Umfrage der AOK Baden-Württemberg zeigt, dass sich dieser Trend auch in der Zukunft weiter fortsetzen könnte. Denn die Bereitschaft der Menschen, sich ihrer pflegebedürftigen Familienmitglieder anzunehmen, ist ungebrochen. Rund 60 Prozent der Befragten sind bereit, ihre eigene Freizeit zurückzustellen, um einen Angehörigen zu pflegen. Fast die Hälfte (43 Prozent) kann sich vorstellen, die Arbeitszeit zu reduzieren. Und sogar mehr als jeder Zehnte (12 Prozent) würde sogar die eigene Arbeitsstelle ganz aufzugeben.

"Wichtig für pflegende Angehörige ist, alle Möglichkeiten der Entlastung auszuschöpfen", empfiehlt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. "Über die Grenzen zu gehen, hilft auf Dauer niemandem – und dem Pflegebedürftigen schon gar nicht." Nur jeder Zehnte (13 Prozent), der in die Pflege eines Angehörigen eingebunden sei, habe bislang das Angebot der sogenannten Verhinderungspflege überhaupt genutzt – wo doch die Kosten für eine Ersatzpflegekraft von der Pflegekasse übernommen würden, wenn der pflegende Angehörige eine Auszeit nehme.

Zahlen belegen, dass pflegende Angehörige besonderen Risiken ausgesetzt sind. So kam eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Südwest-AOK zu dem Schluss, dass drei Viertel von ihnen starker emotionaler Betroffenheit ausgesetzt sind. Rund zwei Drittel sind nach eigener Aussage oft gereizt und rund die Hälfte leidet unter Müdigkeit oder fühlt sich allein. Ein Grund ist, dass neben der eigentlichen Pflege eine ganze Reihe von Verwaltungs- und Organisationsaufgaben zu bewältigen ist. Um die Menschen zu unterstützen, die in die Pflege eines Familienmitglieds eingebunden sind, bietet die AOK Baden-Württemberg jedes Jahr rund 450 Kurse und Gesprächskreise an. Zudem haben pflegende Angehörige seit Januar 2017 sogar einen Rechtsanspruch auf eine individuelle Pflegeberatung.

Einen Überblick der Unterstützungsangebote verschafft die AOK Baden-Württemberg auf ihrer Website. Hintergründe zur neuen Pflege und dem sogenannten PSG II finden Sie hier.