Pflege

Abstand vom Alltag gewinnen - Wie sich pflegende Angehörige entlasten können

Zwei Drittel der mehr als 2,8 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause unterstützt und gepflegt, ein großer Anteil von ihnen allein durch ihre Angehörigen. Von den 190.000 pflegebedürftigen Versicherten der AOK Baden-Württemberg werden demnach rund 139.000 Menschen zu Hause gepflegt.

Häusliche Pflege ist anstrengend – sowohl körperlich als auch seelisch. „Pflegende Angehörige opfern sich oft auf, sind dadurch hoch belastet. Es ist sehr ratsam, sich ab und an Auszeiten zu gönnen und sich darüber bewusst zu werden, wie wichtig diese sind – für sich selbst und auch, um die Pflege weiterhin leisten zu können“, rät Britta March, Leiterin des Referates „Pflege und Beratung in der Pflege“ bei der AOK Baden-Württemberg. Das ist leichter gesagt als getan. Und wie ist es dennoch möglich, sich als pflegende Angehörige Zeit für sich zu nehmen? Wie verbindet man Pflege und die eigenen Interessen und wichtige Pausen?

Britta March gibt einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten:

  • In 230 Kundencentern und 14 CompetenceCentern Pflege der AOK Baden-Württemberg erfahren pflegebedürftige Versicherte und ihre Angehörigen im persönlichen Beratungsgespräch mit einer Expertin oder einem Experten alles über Unterstützungsangebote und die Möglichkeiten, den Pflegealltag individuell passend organisieren zu können. Hilfreiche Informationen zu Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie unterstützende nützliche Angebote vor Ort helfen bei der notwendigen und nicht ganz einfachen Planung einer Pflegesituation. Geeignete Pflegeschulungen helfen Angehörigen in individuellen Anleitungen zuhause, ihre Aufgaben dort besser zu meistern.
  • Darüber hinaus gibt es für pflegende Angehörige – kassenunabhängig - kostenfreie Pflegekurse. Professionelle Pflegedachkräfte, die mit der AOK kooperieren, vermitteln hilfreiches Basiswissen für die Pflege zu Hause. Spezielle Angebote gibt es zu speziellen Herausforderungen wie z. B. zum Umgang mit demenziell veränderten Menschen, oder zu speziellen entlastenden Methoden, z. B. der Kinästhetik. Die AOK Baden-Württemberg baut ihr Kursangebot stetig aus.
  • Und wie findet man einen geeigneten Pflegedienst, wenn man es alleine zu Hause nicht mehr schafft? In jedem Fall ist eine Beratung gut, damit man weiß, welche Ansprüche unter welchen Umständen aus der Pflegeversicherung garantiert sind. Grundsätzlich unterstützen ambulante Pflegedienste bei allen Bedarfen und Bedürfnissen in der Pflegesituation. Einen geeigneten Pflegedienst findet man z. B. mit Hilfe des Pflegedienst-Navigators der AOK. Mehr unter https://bw.aok.de/inhalt/pflegedienst-welcher-ist-der-richtige-1/.
  • Ein wichtiger Tipp zusätzlich: „Lernen Sie die Pflegepersonen immer persönlich kennen! Pflege ist etwas sehr Persönliches – da sollte die Chemie stimmen“, so March.
  • Zusätzliche ehrenamtliche Helfer können unterstützend tätig werden, indem sie z. B. mit den Pflegebedürftigen spazieren gehen oder ihnen vorlesen. Auch dies kann für die pflegenden An-gehörigen stundenweise entlastend sein und für willkommene Abwechslung im Pflegealltag sorgen.
  • Vielfach noch zu unbekannt ist das Angebot der Tages- und Nachtpflege. Das sogenannte teilstationäre Angebot ermöglicht, Pflegebedürftige tagsüber oder auch nachts in einer stationären Einrichtung betreuen zu lassen. Die Überwindung ist teilweise groß, aber der Effekt kann sehr positiv sein. Für Pflegende steigt die Möglichkeit, z. B. die Berufstätigkeit oder andere Aufgaben mit der Verantwortung für die Pflege des Angehörigen besser kombinieren zu können. Die Pflegekasse übernimmt einen wesentlichen Teil der Kosten.
  • Kurzzeitpflege: Wenn Angehörige den Pflegebedürftigen vorübergehend nicht betreuen können, etwa, weil sie selbst krank sind, eine Kur machen oder in den Urlaub fahren wollen, ist es möglich, ihn bis zu acht Wochen im Jahr in einer vollstationären Einrichtung versorgen zu lassen. Für maximal acht Wochen im Jahr erhalten Versicherte für die Kurzzeitpflege einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro.
  • Verhinderungspflege: Sind pflegende Angehörige nicht in der Lage, sich um den Pflegebedürftigen zu kümmern, können sie auch Verhinderungspflege beantragen. Bei dieser Leistung wird der Pflegebedürftige weiterhin zu Hause versorgt. Die Pflegekasse erstattet dafür für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr bis zu 1.612 Euro.
  • Sowohl die Leistung der Kurzzeitpflege als auch die der Verhinderungspflege können Pflegebedürftige mit Mitteln der jeweils anderen Leistung aufstocken, die sie noch nicht in Anspruch genommen haben.

Mehr Infos zum Thema gibt es unter:
https://bw.aok.de/pflege/