Tinnitus

Mit ständigen Ohrgeräuschen leben

Nach einem Konzert- oder Discobesuch oder dem Benutzen einer Kettensäge hören viele Menschen ein Summen, Klingeln oder Pfeifen im Ohr, das meist von selbst wieder verschwindet. Bei manchen Menschen hält das Geräusch aber längere Zeit an. „Dann spricht man von einem Tinnitus“, erklärt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg.

Etwa fünf bis 15 Prozent aller Erwachsenen leiden irgendwann unter einer länger andauernden Tinnitus-Episode, schätzt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. „Tinnitus ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern kann viele Formen annehmen“, informiert Knapstein. Am häufigsten ist der sogenannte subjektive Tinnitus, bei dem nur die Betroffenen selbst die Geräusche wahrnehmen. Treten sie mindestens drei Monate lang auf, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Die Häufigkeit von chronischem Tinnitus nimmt mit dem Alter zu.

Die genauen Ursachen für die Ohrgeräusche herauszufinden, ist oft nicht möglich. Auslöser können Hörstörungen und Schall-Traumata sein, die beispielsweise durch ein lautes Konzert verursacht sind. Auch Ohrschmalzpfropfen, ein geplatztes Trommelfell, eine Verknöcherung des Mittelohrs (Otosklerose), gutartige Tumore im Hirnstammbereich und Stoffwechselerkrankungen können Tinnitus verursachen.

Das beim Tinnitus wahrgenommene Geräusch ist oft nicht halb so laut wie das Schluckgeräusch. „Der Leidensdruck entsteht bei vielen Betroffenen dadurch, dass das ständige Geräusch immer mehr ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht“, erläutert Knapstein. Die Folgen können Konzentrations- und Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen sein. Das kann zu sozialem Rückzug und zu Arbeitsunfähigkeit führen.

Liegt dem Tinnitus eine Erkrankung zugrunde, muss diese behandelt werden. Ist die Ursache unklar, zielt die Therapie darauf ab, die Beschwerden zu lindern und Strategien zu entwickeln, mit den Ohrgeräuschen zurechtzukommen. Hilfreich kann ein Beratungsgespräch bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt sein. Studien zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie Patienten, die durch den Tinnitus stark belastet sind, wirksam helfen kann, sich mit den Geräuschen zu arrangieren. Bei Schwerhörigkeit oder Hörverlust kann eine begleitende Hörtherapie sinnvoll sein. Nicht nachgewiesen ist die Wirksamkeit anderer Therapie-Angebote. Dazu gehören sogenannte Masker und Noiser, Geräte, die ein leises Rauschen erzeugen und so von den Hörgeräuschen ablenken sollen, sowie Akupunktur oder die Sauerstofftherapie.

„Zur Vorbeugung eines Tinnitus ist es sinnvoll, sich vor Lärm zu schützen“, sagt Knapstein. Hörschäden können ab einer Lautstärke von 85 Dezibel entstehen, wenn man diesem Lärm lange Zeit ausgesetzt ist. Bei Rock- und Popkonzerten oder in Discos werden häufig 100 bis 110 Dezibel erreicht. „Gönnen Sie Ihren Ohren Lärmpausen, in denen sich das Gehör erholen kann, und tragen Sie bei einem Konzert- oder Discobesuch oder an einem lauten Arbeitsplatz Gehörschutz“, rät Knapstein.

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