Übergewicht

Mit viel Spaß an Essen und Sport

Laut aktuellem Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind in Deutschland 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen übergewichtig. Unter den Berufstätigen ist das Dicksein demnach mittlerweile Normalzustand und keine Ausnahme mehr. Männer sind besonders häufig zu dick: Am Ende ihres Berufslebens sind 74,2 Prozent übergewichtig. Bei den Frauen im gleichen Alter sind es 56,3 Prozent. Ein positiver Trend zeichnet sich bei Kindern, die eingeschult werden, ab: In dieser Altersgruppe stagnierte in den vergangenen Jahren das Auftreten von Übergewicht beziehungsweise war sogar leicht rückläufig. Susanne Dede, Ernährungsberaterin bei der AOK Baden-Württemberg, nennt Ursachen für Übergewicht, welche vorbeugenden Maßnahmen helfen und was Betroffene tun können, um wieder abzunehmen.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Ursachen für Übergewicht?

Susanne Dede: „Die häufigste Ursache für Übergewicht ist der Bewegungsmangel. Heute üben viele ihre Berufe im Sitzen aus und nach einem anstrengenden Arbeitstag fehlt oftmals die Kraft, den inneren Schweinehund zu überwinden, um einen Sportkurs zu besuchen. Erst an zweiter Stelle folgt zu reichliche Ernährung mit „zu vielen energiereichen Lebensmitteln“, wie auch Prof. Dr. Heseker in einer Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) anlässlich der Veröffentlichung des 13. Ernährungsberichtes  Anfang Februar  mitteilte. Außerdem sollten wir den süßen Getränken große Aufmerksamkeit schenken, der Zuckerkonsum über Getränke kann enorm sein und damit großen Einfluss auf das Gewicht haben.“

Was kann ich vorbeugend tun, um Übergewicht zu vermeiden?

Susanne Dede: „Regelmäßig bewegen wäre ein Anfang. Dazu zählt schon der Ausbau der Alltagsbewegungen wie Treppensteigen oder mal eine Station eher aus der U-Bahn aussteigen, um ein längere Strecke nach Hause zu laufen. Beim Essen wirkt Regelmäßigkeit Wunder. Eine Mahlzeit essen und dann 3 bis 4 Stunden Pause machen. Zwischendurch viel Wasser oder ungesüßten Kräuter- und Früchtetee trinken. Öfter an Gemüse denken und es natürlich auch essen. Bewusst mit Fett umgehen, also fettbewusst einkaufen und beim Kochen mit Rapsöl oder Olivenöl sparsam umgehen. Auch wenn der Fleischkonsum seit Jahren stabil ist, kann eine Kontrolle des eigenen Konsums nicht schaden. Hier sind viele versteckte Fette drin.“

Wann sollte man mit vorbeugenden Maßnahmen beginnen?

Susanne Dede: „Eigentlich ist es nie zu früh. Wir müssen ja nicht übergewichtig sein, um uns ausgewogen zu ernähren und Spaß an der Bewegung zu haben. Ansonsten kann hierzu der Body Mass Index als Einschätzungshilfe dienen: Bis zu einem BMI von 25 spricht man von Normalgewicht. Es kann also alles bleiben wie es ist. Übergewichtig sind Menschen mit einem BMI von mehr als 25 und ab einem von BMI 30 spricht man gar von adipös. Natürlich sind die Grenzen fließend und wir kennen ja auch den Begriff des Wohlfühlgewichts. Dennoch ist ein BMI von mehr als 25 ein guter Anlass, aufmerksam zu sein und auch regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrzunehmen. Dann können Folgeerkrankungen des Übergewichts frühzeitig erkannt und behandelt werden. Also am besten gleich loslegen und bewusster mit viel Spaß an Essen und Sport herangehen.“

Nach neuesten Erkenntnissen nimmt die Zahl der übergewichtigen Kinder aktuell leicht ab. Wie erklären Sie sich diese Tendenz?

Susanne Dede: „Als mit der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) Daten  zwischen 2003 bis 2006 erhoben wurden, die auf die negative Gewichtentwicklung bei Kindern sehr deutlich hinwiesen, ging ein Aufschrei des Entsetzens durch Medien und Bevölkerung. Es wurden viele Ideen entwickelt, diesem Trend entgegen zu wirken, z. B. „Komm mit in das gesunde Boot“ der  Baden-Württemberg Stiftung. An diesem Programm können KITAs und Grundschulen kostenlos teilnehmen. Hier werden mit den Kindern spielerisch die Themen Ernährung und Bewegung bearbeitet und erlebbar gemacht. Die AOK Baden-Württemberg hat sich in diesem Bereich auch engagiert: mit den Tiger-Kids bzw. dem heutigen JolinchenKids, das sich auch an KITAs wendet. Wir bieten Multiplikatorenschulungen an und arbeiten auch gerne mit den Kindern. Wichtig bei diesen Angeboten ist immer das Elternhaus mitzunehmen, dann sind die Aussichten auf Erfolg groß, wie man jetzt  an den neusten Erhebungen sieht. Vorbild sein für Kinder, dann höhlt der stete Tropfen den Stein.“

Männer scheinen eher anfälliger für Übergewicht zu sein als Frauen. Woran liegt das?

Susanne Dede: „Ich habe den Eindruck, Männer kämpfen nicht so sehr darum, in ein Ideal zu passen. Sie sind mit sich zufriedener als Frauen es mit sich sind. Einerseits eine nervenschonende Eigenschaft, auf der anderen Seite leider auch ignorant dem Gewicht  gegenüber. Daher reagieren Männer häufig sehr spät auf ihr eigenes Übergewicht. Außerdem regulieren Männer ihr Gewicht auch eher über Bewegung als über das Essen. Viele lassen aber in den sportlichen Aktivitäten mit zunehmenden Alter nach und dann bahnt sich kontinuierliche Gewichtszunahme an.“

Wie geht man am Besten vor, wenn man die Diagnose „Übergewicht“ erhält?

Susanne Dede: „AOK-Versicherte haben es gut, sie können sich direkt an ihr Kundencenter wenden, das den Kontakt zur AOK-Ernährungsberatung herstellt. Wir sind mit persönlicher Ernährungsberatung, Gruppenprogrammen oder computergestützten Gewichtreduktionsprogrammen für unsere Kunden da. Gemeinsam mit den Bewegungsfachkräften können die Kunden individuell beraten werden.“

Die AOK Baden-Württemberg bietet ihren Versicherten mit den Abnehmkursen eine Hilfestellung, um das Übergewicht in den Griff zu bekommen. Wie sind die Erfolgsaussichten für die Teilnehmer/innen?

Susanne Dede: „Unser Programm richtet sich eher an die Kunden mit leichtem Übergewicht. Es ist mit einer Laufzeit von 12 Wochen noch nicht so lang, dass auch Adipositas, also starkes Übergewicht, in dieser Zeit gut abgebaut werden kann. Eine Gewichtsabnahme zwischen 0 und 10 Kilogramm kommt in jedem Kurs vor. Die Erfolgsspanne ist also groß. Den richtigen Zeitpunkt zum Abnehmen zu treffen ist schwer. Das heißt, Entschlossenheit, Leidensdruck, gesundheitliche und familiäre Umstände und vieles andere mehr kommen günstig zusammen, dann kann es gut klappen. Die Arbeit muss ja leider der Betroffene selbst machen und wir begleiten unsere Kunden sehr gerne dabei. Es ist also viel drin für unsere Teilnehmer: In lockere Runde an Ernährungsthemen arbeiten, sich austauschen, ein paar Aha-Erlebnisse teilen, Bekanntes neu einordnen und anschließend beim Sport ein bisschen schwitzen. Ach ja, abnehmen natürlich auch.