Verschreibungspflichtige Medikamente

Versandhandelsverbot bedeutet Rückschritt in der Patientenversorgung

Datum: 18.09.2017

Auch beim diesjährigen Deutschen Apothekertag war das EuGH-Urteil vom Oktober 2016 zum Versandhandel von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln eines der bestimmenden Themen.

Wieder argumentierte die Apothekerschaft: An einem Wettbewerbsschutz gegen den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln führe kein Weg vorbei – so hört man seit Monaten aus Apothekerkreisen. Der Preiswettbewerb infolge des EuGH-Urteils führe zu einem ruinösen Preiswettbewerb und gefährde damit die flächendeckende Arzneimittelversorgung.

Diese Argumentation hielt der Überprüfung durch den EuGH bereits im Oktober 2016 nicht stand. Gerade für die Gefährdung der flächendeckenden Versorgung durch einen Wegfall der Preisbindung für Versandapotheken sah der EuGH keinen Beleg. Der EuGH kam vielmehr zu dem Schluss, dass der deutsche Gesetzgeber den europäischen Versandapotheken erlauben müsse, systemimmanente Nachteile durch Preisvorteile zu kompensieren.

Diese Entscheidung bringt in der Tat Versandapotheken mit Sitz im EU-Ausland gegenüber in Deutschland niedergelassenen Apotheken in die Vorhand. Fast alle Akteure und politische Entscheidungsträger sind sich einig, dass diese Ungleichbehandlung beseitigt werden muss. Das von Apothekern geforderte Verbot träfe allerdings die Versorgung von Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum empfindlich, zudem dürfte ein Verbot des Versandhandels seine vom EuGH geforderte Besserstellung gerade nicht erreichen – weitere Auseinandersetzungen auf EU-Ebene wären vorprogrammiert.

Bereits heute besteht ein Gefälle in der Apothekenverteilung zwischen Ballungsgebieten und strukturschwachen Regionen. Insbesondere im ländlichen Raum, bei größeren Versorgungswegen und für Patienten mit Mobilitätseinschränkungen wird die Versorgung bereits heute auch von deutschen Apotheken oftmals über den Versandhandel sichergestellt.

Derzeit erfolgen im Bundesgebiet nach Angaben der Apothekenorganisation ABDA täglich rund 25.000 Botendienste. Regelmäßige Botendienste durch nicht pharmazeutisches Personal ohne Beratung in den Räumen der Apotheke sind ebenfalls als Versandhandel einzuordnen. Die Anzahl der Apotheken mit Versandhandelserlaubnis beziffert die ABDA aktuell auf immerhin rund 3.000. Ein Versandhandelsverbot würde daher weitreichende Folgefragen für die Versorgung im gesamten Bundesgebiet aufwerfen.